Pioneer Award für kanadisches Energiesparhaus aus den 70er Jahren überreicht

Der „Pioneer Award“ für Wegbereiter des energieeffizienten Bauens ging in diesem Jahr nach Kanada. Ausgezeichnet wird das „Saskatchewan Conservation House“, bei dem bereits 1977 viele Merkmale des heutigen Passivhaus-Standards erfolgreich getestet wurden. Unter dem Eindruck der damaligen Ölkrise suchte ein breit aufgestelltes Team von Experten nach Möglichkeiten, den Verbrauch an Heizöl deutlich zu reduzieren. Die Studien zeigten, dass es vor allem auf den Wärmeschutz der Gebäudehülle ankommt. Der kanadische Bauingenieur Harold Orr, der zu den treibenden Kräften des Projekts zählte, nahm den „Pioneer Award“ auf der Internationalen Passivhaustagung 2015 in Leipzig entgegen.

 

„Harold Orr und seine Mitstreiter haben schon vor 40 Jahren erkannt, dass Effizienz der Schlüssel zu einem nachhaltigen Bauen ist, da Energie, die im Sommer erzeugt wird, nicht ohne Weiteres auf den Winter übertragen werden kann“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts. Die beim „Saskatchewan Conservation House“ zur Verbesserung der Energieeffizienz eingesetzten Methoden seien für die spätere Entwicklung des Passivhaus-Konzepts eine wichtige Inspiration gewesen. „Das Gebäude hatte nicht nur eine exzellente Wärmedämmung. Es war zugleich sehr luftdicht gebaut und verfügte als eines der ersten weltweit über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.“

 

Die Regierung der kanadischen Provinz Saskatchewan hatte zunächst vor allem an die aktive Nutzung von Solarenergie gedacht, als sie den Auftrag zu dem Versuchsgebäude erteilte. Bei der Umsetzung zeigte sich jedoch schnell, dass dies aufgrund des Speicherproblems nicht praktikabel sein würde – von November bis März wären die solaren Gewinne im kalten Klima der Provinzhauptstadt Regina viel zu gering gewesen. Um eine optimale Wärmedämmung zu erreichen, wurde eine Doppelwand-Konstruktion gewählt. Bei der Herstellung einer luftdichten Gebäudehülle mussten Harold Orr und seine Kollegen persönlich Hand anlegen, da es für solche Arbeiten damals gar keine Anbieter gab. Auch mit ihren zum Teil bereits dreifach-verglasten Fenstern betrat das Team des „Saskatchewan Research Council“ in den 70er Jahren Neuland. Ein entscheidender Baustein des Konzepts war außerdem ein Wassertank, mit dessen Hilfe die tagsüber eingefangene Sonnenwärme kurzfristig gespeichert und so für die Gebäudeheizung in der Nacht genutzt werden konnte.

 

Der „Pioneer Award“ ist eine Initiative des Passivhaus Instituts. Auf der Internationalen Passivhaustagung 2015 in Leipzig wird er zum vierten Mal vergeben. Bisherige Preisträger sind das Rocky Mountain Institute von Amory Lovins im US-Staat Colorado, das Philips-Experimentierhaus in Aachen, an dem ein Team um Dr. Bernd Steinmüller forschte, und das DTH-Nullenergiehaus, das unter der Leitung von Vagn Korsgaard in Kopenhagen errichtet wurde. „Diese frühen Projekte haben alle eine wichtige Grundlage für spätere Entwicklungen hin zu mehr Energieeffizienz beim Bauen und Sanieren gelegt“, sagt Wolfgang Feist, der den diesjährigen Award am 18. April in Leipzig überreichte. „Mit dem ‚Pioneer Award’ wollen wir dazu beitragen, diese wichtigen Meilensteine in der Geschichte in Erinnerung zu rufen und zu würdigen.“

 

Zum Erfolg des „Saskatchewan Conservation House“ haben neben Harold Orr viele weitere Personen und Institutionen maßgeblich beigetragen. Zu den am Projekt Beteiligten zählen unter anderem Dave Eyre, Dave Jennings, Deryl Thomson, Harry Filson, Hendrik Grolle, Bill Gibbons, Rob Dumont, George Green, Robert Besant, Garry Marvin und Fred Heal. Eine detaillierte Beschreibung des Projekts, geschrieben von Harold Orr selbst (auf Englisch), ist auf der Internet-Plattform Passipedia verfügbar.